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Mit Tinder zu Kinder

...oder wie sich Internet Dating auf die Ehestatistik auswirkt...

Ich war am Wochenende auf einer Hochzeit. Das Paar hat sich auf Tinder "gewischt", gefunden und lieben gelernt. Nach der Trauung komme ich dann mit dem Standesbeamten ins Gespräch. 17 Trauungen habe er bereits gehabt an diesem Tag, die meisten davon seien via Parship & Co zustande gekommen, so der vielbeschäftigte Mann. Wirklich? Ich hätte nicht gedacht, dass Singlebörsen im Internet mittlerweile einen derart hohen Ehezustandekommenswert vorweisen können. Also hab ich mich mal auf die Suche nach entsprechenden Statistiken gemacht. 

© Pixabay
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Fehlanzeige. Es gibt nicht wirklich statistische Daten dazu, wie Ehepartner zueinander gefunden haben. Außer die Referenzen der Anbieter selbst, die - eh klar - von ihrer hoher Erfolgsquote schwärmen. Alle 10 Sekunden verliebt sich .. oder so ähnlich. Heißt aber noch nicht, dass diese Verliebten auch heiraten. Generell wird wieder mehr geheiratet, soviel steht fest. Im Jahr 2017 wurden in Österreich 44.981 Ehen geschlossen, 2007 waren es vergleichsweise nur 35.996 - ein sattes Plus von knapp 25 Prozent in 10 Jahren (Quelle: Statistik Austria)! Da in diesem Zeitraum Partnerbörsen im Internet und Dating Apps einen wahren Boom erlebt haben, liegt die Vermutung nahe, dass es hier einen Zusammenhang gibt.

Online-Paare lieben länger

Eine Studie der deutschen Hochschule Fresenius kommt sogar zum Schluss, dass Paare, die sich online kennengelernt haben, mit lebenslangem Liebesglück rechnen dürfen. Menschen, die einander im Internet finden und später heiraten, sind in ihrer Ehe zufriedener und lassen sich seltener scheiden als jene, die offline zueinander gefunden haben (Quelle: Kurier vom 16.5.2017 "Die Liebe in Zeiten des Internets"). Das dürfte dann wohl daran liegen, dass die Suchkriterien-Filter wie gemeinsame Interessen, Alter, Bildung und Zukunftsvorstellungen ganz gut funktionieren. Wer von vornherein nicht in Frage kommt, wird vom System aussortiert. Dass trotzdem das eine oder andere Gustostückchen - gerade weil er/sie so anders ist - durch den Rost fällt, ist halt schade. Internet Dating ist außerdem eine bequeme Sache. Abends auf der Couch ein bisschen wischen - die Guten nach rechts, die Schiachen nach links - ist abwechslungsreiches Alternativprogramm zum Fernsehen. An manchen Tagen ist's wie im Gruselkabinett, aber dann lässt man/frau es halt wieder. Rennt ja nichts davon. Bis man irgendwann einmal drauf kommt, dass man auch beim Jogginghosen-Partnersuchen aus der Komfortzone raus muss - spätestens wenn der Auserwählte face to face vor einem steht, muss man sich wieder auf seine Urinstinkte Sehen, Riechen, Fühlen verlassen. 

Mein Hochzeitspaar hat sich nicht nur bei Tinder kennengelernt, sondern hat auch einen entzückenden Sohn zusammen. Was mich - gemeinsam mit der Braut - zu einem Buchtitel inspiriert hat: "Mit Tinder zu Kinder" (ok, grammatikalisch nicht ganz korrekt, aber es reimt sich besser). Stoff gäbe es genug. Schauen wir mal. 

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